Foto: Renè Löffler, Visual Design: David Czaplicki, Schriftsatz und Layout: Artkrise
Überraschungen
Bin das ich - oder spielt da schon ein Anderer?
Proben sind wie eine Wundertüte. Manchmal ist etwas Schönes drin, manchmal etwas, das man direkt in den Mülleimer werfen möchte – und manchmal etwas wirklich Überraschendes.
Letzteres ist bei den aktuellen Proben geschehen:
Zuerst verletzte sich ein Kollege bei den Vorbereitungen, dann gab es Veränderungen im spielenden Personal – und nun ist noch ein weiterer Spieler ausgefallen.
Erst gab es einen Knall, dann kam ein Krankenwagen, und schon war Michael Günther verschwunden. Keine Sorge, ihm geht es gut. Er muss lediglich für die nächsten zwei bis drei Monate die Beine hochlegen.
Was tut man in solchen Fällen? Man fragt die Kolleginnen und Kollegen. Doch da unser Spielplan straff gestrickt ist, passt nicht jede Masche auf die grobe Nadel. Will sagen: Die Kolleginnen und Kollegen konnten die Rolle entweder nicht so kurzfristig, oder nicht für so einen langen Zeitraum übernehmen.
Also, was dann? Die Antwort lautet:
CASTEN!
Und so kommen Sie in diesem Jahr dazu, gleich zwei stellvertretende Kollegen auf Zeit und eine neue Spielerin für länger kennenzulernen. Für uns ist das ein Rekord!
Die tolle neue Spielerin und die beiden nicht weniger begabten neuen Spieler stellen wir Ihnen weiter unten vor. Damit Sie wissen, mit wem Sie es zu tun haben – oder woher Sie die oder denjenigen vielleicht bereits kennen?
Interessanterweise dürfte das Gefühl, dabei zu sein und doch nicht dabei zu sein, genau dem Empfinden der Figuren in unserer rasanten neuen Komödie entsprechen. Zum Beispiel beim Essen: In der Komödie der Irrungen steht Antipholus von Ephesus hungrig und mit Geschäftspartnern vor seiner eigenen Haustür und wird nicht eingelassen, weil er angeblich bereits drinnen IST. Beziehungsweise ISST!
Auf diese und weitere Irrungen wird Sie weiter unten mein Kollege Nico Selbach einstimmen.
Und dann kommt ja auch noch ein Tag voller Musik auf uns zu: Am 21. Juni 2026 öffnen wir ab 15 Uhr unsere Pforten zur Fête de la Musique. Das Line-up steht, ist bunt, laut und vielfältig – und wir möchten Sie neugierig machen auf die ungewöhnlichen Klänge, die diesmal von Vera Kreyer und Luna Mölling kuratiert wurden.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen – und schauen Sie besser einmal in die Küche. Vielleicht sitzen Sie ja gerade am Küchentisch und speisen, während Sie doch eigentlich im Wohnzimmer diesen Newsletter lesen ...
Hier nochmal die Themen:
1. Die Komödie der Irrungen - Worauf Sie sich freuen können
2. Die drei Neuen von der schnellen Sorte
3. Das Line-up der Fête de la Musique
Viel Spaß beim Lesen und ich sag nur: Küche!
Text: Stefan Plepp
Foto: Stefan Plepp
Das kann Komödie
Verwechslung, Wahnsinn, Ehekrieg.
Willkommen in Ephesus, einer Stadt, in der die Realität schneller aus den Fugen gerät, als man „Verwechslung!“ rufen kann. Hier reicht ein falsches Gesicht und alles eskaliert.
Zwei eineiige Zwillingspaare, bei der Geburt getrennt, treffen unwissentlich in derselben Stadt aufeinander. Was folgt, ist eine Katastrophe von höchster Komik.
Ehemänner scheinen fremdzugehen. Diener gehorchen den falschen Herren. Menschen werden beschuldigt, bestohlen, beleidigt, verführt oder direkt für verrückt erklärt. Einer landet im Gefängnis, der andere versteht die Welt nicht mehr, und alle sind sich sicher: Hier treiben dunkle Mächte ihr Spiel.
Untreue, Wahnsinn, Verführung und Ohrfeigen inklusive.
„Bin ich Dromio? Herr, bin ich ich?“ „Ja, du bist Dromio. Du bist Du.“
Ach ja? Wirklich?
Wem glaubt man noch, wenn einen dieselbe Person erst umarmt und kurz darauf beschimpft? Was bleibt von der eigenen Identität, wenn selbst der Spiegel widerspricht? Und wem kann man hier überhaupt noch trauen?
Shakespeares vielleicht chaotischste Komödie beginnt genau dort, wo viele von uns manchmal landen: Man versteht die Welt nicht mehr. Doch zwischen Türknallen, Ehekrisen, Missverständnissen im Sekundentakt und herrlich absurdem Chaos steckt mehr als bloßer Klamauk. Denn mitten im Irrsinn lauert eine überraschend aktuelle Frage:
Wer bin ich, wenn plötzlich nichts mehr sicher scheint?
Klingt philosophisch? Ist es auch. Aber keine Sorge: Bei uns dürfen Sie dabei herzlich lachen! Vielleicht sogar über sich selbst.
Denn gerade in ernsten Zeiten braucht es nicht nur Ernsthaftigkeit und Ehrfurcht. Es braucht etwas viel Wirksameres: Humor. Und Komödie ist Widerstand. Wer lacht, hat für einen Moment keine Angst.
Oder frei nach Shakespeare: Wer zuerst lacht, blickt vielleicht doch noch durch.
Wir sehen uns in Ephesus! Wenn Sie den Weg dorthin noch finden.
Text: Nico Selbach
Foto: Dennis Koenig Foto: Paulina Hildesheim
Hungrig und spielfreudig: Die Neuen sind da!
Ab jetzt auf der Bühne:
Justine Rockstroh (dabei seit 2 Wochen)
hat Schauspiel an der Filmschauspielschule Berlin studiert.
Ihre ersten Bühnenerfahrungen sammelte sie in Zwickau. Anschließend war die junge, aufgeweckte Schauspielerin in zahlreichen Produktionen an der Komödie Leipzig zu sehen und gehörte zum festen Ensemble des Theaters Reutlingen “Die Tonne”. Heute lebt und arbeitet sie in Leipzig und ist darüber hinaus auch in der freien Berliner Theaterszene aktiv.
Als Schauspielerin, Sängerin und Performerin bewegt sie sich zwischen Schauspiel, Musiktheater und Performancekunst. Zudem verfasst sie eigene Texte und entwickelt dokumentarische Projekte. Derzeit arbeitet sie an einem Dokumentarfilm über eine 1943 geborene Zeitzeugin.
„Die Komödie der Irrungen“ ist ihre erste Produktion bei der Shakespeare Company Berlin.
Victor Tahal (dabei seit 5 Wochen)
Der in Kiel geborene Schauspieler sammelte während seiner Schulzeit erste Bühnenerfahrungen als Solosänger im Kieler Schloss bei „Musical & More“ und wurde Bundespreisträger bei „Jugend musiziert“ im Bereich Pop-Gesang. Er studierte an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin und machte dort 2018 seinen Abschluss. Bereits während des Studiums gastierte er am Deutschen Theater Berlin. Anschließend folgte ein dreijähriges Engagement am Staatstheater Darmstadt. Neben Auftritten am Alten Schauspielhaus Stuttgart steht er regelmäßig für Film- und Fernsehproduktionen vor der Kamera, u. a. für Bach – Ein Weihnachtswunder, Die Drei von der Müllabfuhr, die Paramount+ Serie Eine Billion Dollar sowie den ARD-Thriller Wo die Stille tötet – Mord in der Wüste. Victor Tahal lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Berlin.
Kay Dietrich (dabei seit 3 Tagen)
Kay Dietrich, geboren in Berlin, absolvierte von 1994 bis 1998 seine Schauspielausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Im Anschluss führten ihn erste feste Engagements an renommierte Theaterhäuser: Von 1998 bis 2000 war er am Nationaltheater Mannheim engagiert, bevor er zwischen 2000 und 2004 am Bremer Theater auf der Bühne stand. Weitere vier Jahre, von 2004 bis 2008, gehörte er zum Ensemble des Hans Otto Theaters in Potsdam. Seit 2008 arbeitet Kay Dietrich freischaffend als Regisseur, Schauspieler und Autor. Dabei war und ist er unter anderem am Theaterhaus Jena, an der Deutschen Staatsoper, im Atze Musiktheater sowie in der ufaFabrik tätig.
Foto: Alexandra Schultz
Latin, Klassik und Rock'n Roll
In diesem Jahr wird die Fête auf unserer Bühne bunter denn je.
Das hat zwei Gründe: Erstens haben wir drei Stunden mehr Zeit. Musste bisher ab 19:00 Uhr die Bühne freigeräumt und für die Vorstellung eingerichtet werden, so können wir uns diesmal voll und ganz auf die Musik konzentrieren. Denn die Fête fällt in diesem Jahr auf einen Sonntag – und der ist uns bekanntlich heilig!
Drei Stunden mehr heißt auch: drei Bands mehr!
Der zweite Grund ist, dass die Auswahl der Bands und Ensembles in diesem Jahr erstmals von Vera Kreyer und Luna Mölling getroffen wurde. Die beiden haben für ein enorm abwechslungsreiches Programm gesorgt, so dass wir denken: Es sollte wirklich für jede und jeden etwas dabei sein.
(Die folgenden Bilder können Sie vergrößern, indem sie darauf klicken. Um hierher zurückzukehren, schließen sie den Bildertab einfach.)
Los geht's um 16:00 Uhr, und die erste Stunde wird karibisch, bunt, voll und laut. Die Tin Pan Alley Steelband betritt unsere neu beplankte Bühne, und – mein Gott - wir hoffen nur, dass sie alle darauf Platz finden! So farbenfroh, wie das aussieht, so fröhlich wird es bestimmt auch klingen, wenn die Frauen und Männer mit ihren Steeldrums die Klänge des trinidadischen Karnevals, Calypso und Soca zu uns bringen und unseren musikalische Wagen auf eine ordentliche Höhe ziehen.
Um 17:00 Uhr folgt eine nicht minder großartige Truppe. Und „groß“ kann man hier durchaus wörtlich nehmen, denn wenn wir auf dem Bild richtig zählen, kommen da gleich 30 Personen auf die Bühne! Der Pretty Noise Chor behauptet von sich selbst, er singe alles, was ihm Spaß macht. Wenn wir auf das Programm schauen, glauben wir das sofort. Zu hören gibt es unter anderem Queen, Green Day, Lady Gaga und Adele sowie Deutschpop von den Prinzen und Herbert Grönemeyer. Das wird ein Spaß! Unser Wagen hat die Starthöhe passiert und richtig Fahrt aufgenommen.
Doch jetzt festhalten: In einer scharfen Kurve fahren wir um 18:00 Uhr in den Klassikbereich ein. Passen Sie auf, dass Sie nicht aus der Kurve geschleudert werden, wenn das Young Chamber Klassikensemble seine Kammern verlässt und stattdessen die Freiluftbühne entert. Das „Young“ wird hier ernst genommen! Die jungen Musikerinnen und Musiker spannen ihren Bogen von Debussy bis Schostakowitsch.
Auch die nächste Biegung ist scharf, wenn auch vielleicht nicht ganz so scharf wie die letzte. Denn der um 19:00 Uhr auf unsere Bühne einfliegende Chinesische Akademikerchor sucht sich Teile seines Repertoires ebenfalls in der E-Musik. E steht hier für Ernst! Doch darauf lässt sich der Chor nicht festnageln. So werden uns zusätzlich asiatische Volkslieder sowie internationale Chorliteratur im Programm immer wieder unerwartete spaßige Kurven bescheren.
Um 20:00 Uhr nehmen wir, gelassen und gestählt von der bisherigen musikalischen Achterbahnfahrt, die nächste scharfe Kurve ins Visier. Jetzt geht's in die Berliner Szene, wenn Kissing Phones uns ihren Wave-Indie-Post-Punk-Mix mit einem Spritzer Pop servieren.
Und wo wir nun schon so gut in Fahrt sind, nehmen wir um 21:00 Uhr keine großen Richtungskorrekturen mehr vor. Stattdessen verneigen wir uns im Geschwindigkeitsrausch – äh, Speedrausch – gen Woodstock, wenn die spanische Band Oaks & Fahia uns mit ihrer psychedelic hippie music an Pink Floyd, Toto und Fleetwood Mac erinnert, während der Abend nostalgisch-warm ausfadet.
Die Gastronomie bietet am Nachmittag Kaffee und Kuchen. Am Abend stehen neben herzhaften Genüssen auch harte Drogen zur Verfügung: Caipi zum Beispiel. Der soll auf Nachfrage sogar bereits am Nachmittag erhältlich sein ... doch breiten wir besser den Mantel des Schweigens darüber.
Unser Partner das Schwimmbad bietet exclusiv an diesem Tag verlängerte Öffnungszeiten von von 04:30 Uhr bis 21:30 Uhr. Gäste des Bades können die Fête bei uns besuchen, ohne das Bad verlassenzu müssen.
Kommen Sie, lauschen Sie und genießen Sie diese einmalige Achterbahnfahrt – wie jedes Jahr am 21. Juni, der kürzesten Nacht des Jahres.
Text: Stefan Plepp
Foto: Renè Löffler, Visual Design: David Czaplicki, Schriftsatz und Layout: Artkrise
Besucherservice & Kleingedrucktes
Im Ticketshop hat sich in diesem Jahr nichts geändert. Tickets können wie gewohnt online gebucht werden. Für einen Aufpreis von 2 € kann man in einer unserer Partner-Buchhandlungen Tickets erwerben. Dieses Jahr neu dabei:
Unser aktuelles Gastronomieangebot finden Sie hier.
Weitere Informationen zu den Vorstellungen und rund um den Besuch im Theater am Insulaner finden Sie ebenfalls im Ticketshop und auf unserer Website.
Foto: Stefan Plepp
Das war's für heute. Wir hoffen auf eine schöne Premiere, gutes Wetter, einen tollen Sommer mit beeindruckenden Inszenierungen, guten Gesprächen mit Ihnen, und dass für alle etwas Schönes dabei ist.
Wir freuen uns auf Sie. Bleiben Sie
uns gewogen, Ihre Bretterbühnenkünstler vom Insulaner
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H A K E S P E A R E I N
G R U E N G m b H
in Zusammenarbeit mit der
S H A K E S P E A R E C
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