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Reallabor für Bauen im Bestand
Das C2C LAB zeigt als Reallabor konkret, wie positive Transformation nach Cradle to Cradle aussieht und heute bereits umgesetzt werden kann. Seit 2019 ist die als Bildungszentrum, Reallabor, NGO-Geschäftsstelle und nun auch als Community Hub genutzte frühere Bezirksapotheke ein Leuchtturm für die gelungene zirkuläre Sanierung eines Bestandsgebäudes, das als Rohstofflager konzipiert ist.
„Unser C2C LAB, der erste nach Cradle to Cradle-Kriterien sanierte DDR-Plattenbau, wächst mit dem Community Hub auf 500 m². Damit machen wir noch mehr Materialien, Produkte und Bauweisen nach Cradle to Cradle sichtbar. Für Unternehmen und Handwerk war der Umbau ein echtes Reallabor, in dem innovative, materialgesunde und zirkuläre Lösungen erstmals erprobt wurden und nun den Weg in die breite Anwendung finden,“ sagte Tim Janßen, Geschäftsführender Vorstand von Cradle to Cradle NGO.
Mit der zweiten Ausbauphase hat sich die Zahl der Unternehmen und Akteur*innen, die mit Produkten, Expertise und Dienstleistungen zum Reallabor C2C LAB beitragen, auf mehr als 100 verdoppelt. Ihre Lösungen sind im gesamten LAB sichtbar und als Teil des Gebäudes, der Einrichtung oder in der Nutzung erlebbar. Beim Frühjahrsempfang stellten rund 20 dieser Partner ihre C2C-Innovationen auf der Bühne vor – von der Planung über Akustik und Raumklima sowie Bodenaufbau und -beläge bis hin zur Digitalisierung.
Pionierarbeit am Boden und Bildungskooperation mit dem Handwerk
Eine weitere Besonderheit ist die Erprobung neuer C2C-Systeme unter realen Bedingungen. In enger Kooperation mit Herstellern und Gewerken hat C2C NGO unter anderem drei neuartige, C2C-fähige Bodenaufbauten entwickelt, die herkömmliche Standards herausfordern. Durch den Einsatz von Materialien in neuen Kontexten, etwa Schaumglasplatten aus dem Fundamentbau in geringer Aufbauhöhe oder erstmals in dieser Form eingesetztem Lehmestrich, sind Systeme entstanden, die so bisher nicht am Markt existieren. Von mineralisierten Holzspänen über Naturstein-Trockenestrich bis hin zu reversiblen Klebesystemen und sortenrein trennbaren Teppich- und Linoleumvarianten zeigt das LAB, wie durch kreative Kombination von Bestandsprodukten vollständig kreislauffähige Lösungen für ein zukunftsfähiges Bauwesen entstehen.
Eine zentrale Rolle beim jüngsten Ausbau spielte das Handwerk. Auch Materialien, die für Kreisläufe designt sind, sind nur dann im Sinne von C2C wiederverwendbar, wenn sie so eingebaut werden, dass sie sich später rückstandslos wieder aus dem Gebäude entfernen oder umnutzen lassen. Bei der Sanierung arbeitete Cradle to Cradle NGO daher in einer Bildungskooperation mit dem Malerfachbetrieb Schippers & Söhne zusammen. Rund zehn Auszubildende waren über den gesamten Umbau hinweg eingebunden – vom Rückbau bis zum Spachteln und Streichen. Maler- und Lackierermeister Julian Szczepanski betonte bei der Eröffnung, dass die Auszubildenden viel lernen und für ihre Ausbildung mitnehmen konnten, da sie direkt auf der Baustelle erlebt haben, wie zirkuläres Bauen in der Praxis funktioniert. Innenarchitektin Julia Sickermann unterstützte die NGO bereits in der ersten Sanierungsphase und bezeichnete Cradle to Cradle als einen der sinnvollsten Ansätze für den Innenausbau. Sie betonte die Einfachheit und Logik – und dass C2C gutes Design und gesunde Innenraumgestaltung kombiniert. HPP Architekten wirkten am LAB-Ausbau bei Fragen rund um Architektur, Sanierung und regulatorische Anforderungen mit. Associate Partner Guido Graul betonte, dass Kreislaufführung ein zentraler Treiber sei und es zur Aufgabe von Architekt*innen gehöre, Gebäude von Anfang an so zu planen, dass Materialien später wiederverwendet werden können. Im Bereich der Technischen Gebäudeausstattung begleitete die Ingenieurgesellschaft Meinhardt Fulst die Planung. Gerald Fulst verwies auf Fortschritte in der Gebäudetechnik, bei denen Komponenten zunehmend so entwickelt werden, dass sie lösbar verbunden und wiederverwendet werden können.
Im C2C LAB und dem neuen Community Hub sind jedoch nicht nur Bauprodukte sichtbar – das Reallabor erstreckt sich auch auf Produkte der täglichen Nutzung sowie Dienstleistungen: Von Mietmöbel und Möbel aus C2C-Holz oder Recyclingpolyester über biologisch abbaubare Reinigungsmittel, Textilien, refurbished IT-Geräte, modulare Smartphones, Reparatur-, Wartungs- und Rücknahmedienstleistungen bis hin zu digitalen Services wie einem Gebäuderessourcenpass, der dokumentiert, welche Materialien verbaut sind.
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