Mein Wort des Jahres 2025
Leistungslüge (die)
2025 startet im Wahlkampfmodus. Union, SPD, Grüne, Linke und AfD haben Entwürfe zu ihren Wahlprogrammen veröffentlicht, die FDP sogar schon das fertige Programm. Die Union startet mit dem Klassiker: „Leistung muss sich wieder lohnen“. Das bezieht sie zwar auf die hart arbeitende Bevölkerung, die Fleißigen und die Familien. Aber im Programm zeigt sich, wen sie eigentlich als Leistungsträger im Blick hat: Diejenigen, die sich im Wettbewerb durchsetzen und nach wirtschaftlichen Maßstäben erfolgreich sind. Dazu gehören anscheinend sogar die Erbinnen und Erben, deren Vermögensverwalter das geerbte Vermögen im Family Office anhäufen. Fast schon lustig, aber durchaus konsequent formuliert das die FDP: „Leben, Arbeiten und Investieren müssen sich lohnen in Deutschland.“ Quasi als Antwort darauf versucht sich schließlich auch die SPD an einer Definition von Leistungsträgerin und Leistungsträger: „Für uns sind das die, die viel leisten – und nicht nur die, die sich viel leisten können.“
Wir sollten 2025 mehr darüber sprechen, was Leistung für uns als Gesellschaft bedeutet; warum sich harte Arbeit weniger lohnt als geerbtes Geld beim Vermögensverwalter abzugeben; und dass Cum-Cum-Geschäfte weder harte Arbeit noch gesellschaftlich nützlich waren und trotzdem fürstlich belohnt wurden.
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