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Alexander Liebreich (c) Sammy Hart, Klassik Open Air Kloster Ettal

Uwe Schneider (c) Privat

FESTIVAL AT HOME

Folge 4 mit  #Uwe Schneider

Sehr geehrte Damen und Herren,

Uwe Schneider, geborener Münchner, ist der General Manager der 1982 in Berlin gegründeten Akademie für Alte Musik Berlin (kurz Akamus), die heute zur Weltspitze der historisch informiert spielenden Kammerorchester gehört. Akamus kann auf eine beispiellose Erfolgsgeschichte verweisen. Ob in New York City oder Tokyo, London oder Buenos Aires: Akamus ist ständiger und vielgefragter Gast auf den wichtigsten europäischen und internationalen Konzertpodien. Für die Feierlichkeiten rund um den 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens hatte auch Akamus dem Jubilar Beethoven ein großes Konzertpaket geschnürt. So stand Beethovens einzige Oper FIDELIO mit Dirigent Alexander Liebreich im Rahmen des Richard-Strauss-Festival in Garmisch-Partenkirchen auf dem Programm. Uwe Schneider hat auf die Corona-Krise sofort engagiert reagiert, um Projekte zu retten. Er plant, die bei den Magdeburger Telemann-Festtagen abgesagten Aufführungen der komischen Oper „Pimpinone“, eines wahren Juwels der Barockmusik von Georg Philipp Telemann, wenigstens auf CD festzuhalten. Seine Gedanken zu dieser Ausnahmezeit lesen Sie unten.

Wir wünschen Ihnen einen schönen Feiertag.

Ganz herzlich

Ihre

Dietlinde Behncke und das Festivalteam

Woran arbeiten Sie?

Für ein freies Orchester wie Akamus geht es derzeit ums Überleben. Das deutsche Zuwendungsgesetz erlaubt es uns nicht, finanzielle Reserven zu haben: so geht es vor allem darum, diese Krisenzeit als Ensemble wirtschaftlich zu überstehen. Zugleich müssen die Weichen für einen Wiederbeginn gestellt werden, für den Bedingungen und Zeitpunkt nicht klar sind. So entwickle ich kreative und flexible Konzepte für verschiedene Szenarien und versuche über Anträge für Projekte etwas wirtschaftliche Entlastung zu schaffen. Zugleich muss die Absage von mindestens 40 Konzerten sowie CD-Aufnahmen in all ihren Konsequenzen organisiert werden.

HUMANITAS.MENSCH ist das Leitbild des Richard-Strauss-Festivals – es hat aber auch mit dem Beethoven-Jahr zu tun, oder?

Unbedingt, es hat als emphatischer Ausdruck von Menschlichkeit vor allem mit Beethovens „Fidelio“ zu tun, dessen Aufführung in Garmisch für uns ein Höhepunkt des Beethoven-Jahres gewesen wäre. Der Humanitas-Gedanke, der darin mit einer hohen emotionalen Spannung der Handlung und Musik den aufklärerischen Bruch mit alten Ordnungen herbeiführt, markiert im „Fidelio“ eine Zeitenwende und ist fester Bestandteil des kulturellen und ethischen Gedächtnisses europäischer Kultur: Das Individuum (und nicht mehr die Gesetze der Götter und antiken Herrscher) steht nun im Mittelpunkt der nach-revolutionären Zeitläufte. Beethovens einzige Oper kann als Utopie einer befreiten Menschheit verstanden werden – und ist damit das Fanal einer neuen Gesellschaftsordnung.

Was hören Sie?

Die unfreiwillige Ruhe des Musikbetriebs schafft Freiräume für neue Inspirationen. Der große Stapel ungehörter Aufnahmen wird kleiner, mit mehr Muße kann man dabei nach neuen Talenten, nach spannenden Interpretationen und neuem Repertoire für das Orchester Ausschau halten. Es ist aber nicht die Klangwolke der gestreamten Wohnzimmerkonzerte, die inspiriert, sondern die hohe Qualität künstlerisch seriös vorbereiteter Darbietungen mit durchdachten Konzepten, einem ästhetischen Anspruch und der Unausweichlichkeit, sich dem Erlebnis der Musik aussetzen zu müssen.

Was bringt Sie zum Lachen?

Neben Situationskomik, vor allem gute, intelligente Satire. Wie derzeit etwa von Josef Hader mit seinen treffenden Kommentaren zu den Begleiterscheinungen und Ausgeburten der Coronakrise. Es tut immer gut, schlechten Zeiten und Situationen auch etwas Komisches abgewinnen zu können. "Satiriker sind Idealisten", hat Erich Kästner gesagt und damit die Hoffnung formuliert, auch im Schlechten das Positive finden zu können.

Was ist Ihr persönliches Motto?

Ein Motto für ein ganzes Leben scheint mir arg kurz gegriffen. Doch ich habe schon lange mit Frank Wedekinds Aperçu „Das Leben ist eine Rutschbahn“ sympathisiert. Nicht fatalistisch verstanden, sondern als Aufruf zu einem dynamischen, beweglichen Leben, mit erfrischendem Fahrtwind und der Freude am Aktiv sein.

Richard-Strauss-Festival

Dietlinde Behncke (Behncke Communications)

Schnitzschulstraße 19
82467 Garmisch-Partenkirchen
Germany

08821 910-5950
rsf@gapa.de

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