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Liebe Mitglieder,

kurz vor der Bundestagswahl fordert der Wirtschaftsverband Windkraftwerke e.V. (WVW) vom neuen Bundestag und der von ihm zu bildenden neuen Bundesregierung eine nüchterne Bilanz der gesetzlichen Regelungen der jetzt zu Ende gegangenen Legislaturperiode im Hinblick auf das EEG und seine Novellierungen 2014 und 2017, die Erneuerbaren Energien und die Energiewende.

 

„Das neue Parlament und die Regierung haben die Chance, die Energiewende noch zu retten“, ist die Meinung des WVW.

 

Wie alle Befürworter der Energiewende, sieht der WVW als Ergebnis der letzten vier Jahre einen Trümmerhaufen. Beispielhaft sei die Windenergieagentur (WAB) zitiert: „Die derzeitigen Ausschreibungsmodalitäten haben zu der skurrilen Situation geführt, dass die Projektentwickler mit bereits genehmigten Projekten nicht zum Zuge kommen. Dagegen haben Bürgerwindparkgesellschaften, die zum Zeitpunkt der Ausschreibungen über keine entsprechenden Genehmigungen verfügten, nahezu alle Zuschläge bekommen. Das führt zu einer großen Verunsicherung in der Branche, weil derzeit nicht klar ist, ob und wann diese Projekte realisiert werden. Insbesondere für die Industrie und Zulieferer bedeutet das einen Fadenriss in den kommenden Jahren, den es bereits ab dem Jahr 2020 in der Offshore-Industrie geben wird. Das Schreckensszenario wird sich somit auch auf die Onshore-Windindustrie übertragen. Die Branche ist sich einig: Die Ausbauziele für die Windenergie müssen deutlich angehoben werden. Es ist zwingend notwendig, die Netzmodernisierung und den Ausbau voranzutreiben. Daneben ist sicherzustellen, dass die bezuschlagten Projekte über die notwendigen Genehmigungen verfügen, um später auch realisiert zu werden.“

Am Beispiel der Diskussion über die Leistungsfähigkeit der vorhandenen Netze, die der WVW in seiner zusammen mit der Stiftung Offshore Windenergie bei Fichtner in Auftrag gegebenen Studie 2016 angestoßen hat, die aber lange Zeit die alte Bundesregierung nicht erreicht hat, zeigt der WVW, dass neue Erkenntnisse umzusetzen immer noch möglich ist.

Abteilungsleiter Urban Rid aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie versprach jetzt, die „Schatztruhe“ zu öffnen und die ungenutzten Potenziale des Stromnetzes zu heben. Die Maßnahmen sollen bis 2023 umgesetzt werden. Rid betonte jedoch, dass dadurch kein einziges Netzbauvorhaben ersetzt werde.

Allein 180 Mio. € ließen sich dadurch sparen, dass bestimmte Leitungsabschnitte modernisiert und verstärkt werden durch zusätzliche und andere Seile. Eine weitere Möglichkeit sei die Optimierung der Redispatch-Prozesse durch eine bessere Zusammenarbeit von Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern. Besonders wichtig ist dem Ministerium eine Verbesserung des Netzmonitorings, um mehr über den Zustand der Leitungen zu erfahren und so ungenutzte Kapazitäten nutzen zu können. Zwar ist das Freileitungsmonitoring schon flächendeckend Pflicht, wird aber noch nicht überall gleichermaßen angewandt. Hier soll es eine Harmonisierung geben.

Die Bundesnetzagentur soll die Fortschritte bei der Auslastung regelmäßig und systematisch erfassen. Das Thema solle künftig auch bei den langfristig angelegten Netzentwicklungsplänen berücksichtigt werden. Auf lange Sicht soll die Digitalisierung eine möglichst hohe Auslastung gewährleisten. Denkbar ist laut Papier auch eine automatisierte Betriebsführung, wie sie der Übertragungsnetzbetreiber TenneT vorgeschlagen hatte. Die hier angedachten Maßnahmen werden aber nach Ansicht des WVW bei weitem nicht reichen. Die Maßnahmen aus dem Kapitel 8 der bereits erwähnten Fichtner-Studie müssen konsequent und schnell umgesetzt werden. Dazu gehören SPS-Systeme (System Protection Scemes) die automatische Steuerungsmaßnahmen erst dann auslösen, wenn ein N-1 Fall auftritt, statt wie bisher nach konservativen Rechenformeln rein vorsorglich Erzeuger vom Netz zu nehmen. Des Weiteren gehören dazu Hybridsysteme, d.h. eins von zwei Drehstromsystemen auf einer vorhandenen Trasse wird durch ein Gleichstromsystem ersetzt. Das erhöht die Übertragungskapazität sofort um 20-25 % bei Nutzung derselben Beseilung. Ferner müssen wir die Pumpspeicherkraftwerke nach Netzbedürfnissen fahren und nicht allein nach dem Preissignal der Börse. Hier müsste den Betreibern ein Geschäftsmodell angeboten werden. Und ferner müssten die Generatoren aller stillgelegten Kraftwerke als Phasenschieber genutzt werden. Das alles ist kein Hexenwerk sondern sind Maßnahmen, die den Stand der Technik widerspiegeln und sofort angegangen werden könnten und müssten!

In dem Maßnahmenkatalog nicht adressiert ist die Flexibilisierung des konventionellen Kraftwerksparks. Auch damit ließe sich die Transportkapazität des Netzes steigern. Dazu hat das Ministerium Regelungen im Strommarktgesetz und im KWK-Gesetz getroffen. Außerdem wird seit diesem Jahr erstmals in Monitoring-Berichten untersucht, ob die Einspeiseleistung fossiler Kraftwerke bei Netzengpässen tatsächlich nur so hoch ist, wie für die Versorgungssicherheit unbedingt erforderlich. Dabei zeigte sich, dass nur ein geringer Teil dieser Erzeugung netztechnisch erforderlich ist.

In diesem Sinne versteht der WVW auch die aufrüttelnden „10 Fakten“ in dem neuen Bestseller von Claudia Kemfert (2017 „Das fossile Imperium schlägt zurück“):

 

Postfakt 1: „Die Energiewende ist bis 2022 nicht zu schaffen“

Fakt > Atomausstieg und Energiewende werden oft gleichgesetzt, sind aber zwei verschiedene Projekte: Die Energiewende ist ein Langzeitprojekt. Manche Maßnahmen reichen schon heute weit über 2030 hinaus. Was bis 2022 gelingen soll, ist nicht die Energiewende sondern der Ausstieg aus der Atomenergie. Und der wäre jetzt schon möglich: Wenn wir wollten, könnten wir alle acht noch aktiven Atomkraftwerke von heute auf morgen vom Netz nehmen.

 

Postfakt 2: „Zielmarke 2050 – so lang im Voraus kann man doch gar nicht planen!“

Fakt > Auf dem Weg in eine energieeffiziente und erneuerbare Zukunft liegen noch sehr viele Aufgaben und Zwischenziele vor uns. Bis 2050 ist es aus unternehmerischer Sicht nicht mehr lange: Wenn die Energiewende gelingen soll, müssen die entscheidenden Weichen jetzt gestellt werden. Dafür braucht die Wirtschaft vor allem einen klaren Kurs aus der Politik.

 

Postfakt 3: „Die Erneuerbaren brauchen ein Tempolimit!“

Fakt > Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist überraschend schnell vorangeschritten. Bereits ein Drittel des Stroms im deutschen Energie-Mix stammt aus erneuerbaren Energiequellen. Doch hinter den selbst gesteckten Klimazielen hinken wir weit zurück. Eine Pause der Energiewende bringt Unsicherheit in die Planung der Unternehmen und wäre deswegen Gift für die deutsche Wirtschaft.

 

Postfakt 4: „Es drohen Blackouts.“

Fakt > Das deutsche Stromnetz ist das sicherste weltweit. Eine Überlastung der Netze droht nicht durch die Erneuerbaren Energien, sondern durch die großen Mengen an konventioneller Energie, die trotz aller Klimaziele nach wie vor eingespeist werden – zwei von drei neuen Trassen dienen dem Transport von Kohlestrom. Gefahr für die Energiesicherheit droht allerdings durch die Abhängigkeit von Kohle-, Gas- und Ölstaaten, aus der wir uns durch einen zügigen Ausbau der erneuerbaren Energien lösen können. In Sachen Blackouts ist die Energiewende nicht die Ursache, sondern die Lösung des Problems.

 

Postfakt 5: „Die Energiewende lässt die Strompreise explodieren.“

Fakt > Nicht der Ökostrom lässt die Strompreise steigen, sondern der konventionelle Strom. Denn der Überschuss an Kohle- und Atomstrom drückt die Strompreise an der Börse und treibt somit die EEG-Umlage in die Höhe. An den Verbraucher weitergegeben werden aber nicht die sinkenden Strompreise, sondern nur die steigenden Umlagen und Netzentgelte. Hinzu kommen die Industrierabatte in Milliardenhöhe: Immer mehr energieintensive Unternehmen werden von der Umlage befreit – die Kosten dafür lasten ebenfalls auf den Verbrauchern.

 

Postfakt 6: „Es droht ein Kosten-Tsunami durch die Energiewende.“

Fakt > Ein Kosten-Tsunami droht von ganz anderer Seite: Würden sich die wahren Kosten für Kohle- und Atomstrom in einer Konventionelle-Energie-Umlage niederschlagen, würde diese sehr viel höher ausfallen als die EEG-Umlage. Gemessen an den versteckten Subventionen, Finanzhilfen und Steuervorteilen für konventionelle Energieträger, an den Folgekosten unserer bisherigen Energieversorgung, an den Klimawandelschäden und den Anpassungskosten an die globale Erwärmung ist die Energiewende ein Schnäppchen.

 

Postfakt 7: „Die Energiewende führt zu einer Deindustrialisierung in Deutschland.“

Fakt > Von einer Deindustrialisierung Deutschlands kann keine Rede sein. Die erneuerbaren Energien erweisen sich längst als Wachstumsmotor für Deutschland. Die Folge: neue Arbeitsplätze, Beschäftigungsrekorde, wachsende Exportzahlen. Doch nicht nur in Deutschland, auch im Rest der Welt sorgt die Energiewende für Wirtschaftswachstum – samt neuer internationaler Handelsgeflechte und der Chance auf mehr Vielfalt und Stabilität auf den Weltmärkten.

 

Postfakt 8: „Wir brauchen keine Planwirtschaft – die Energiewirtschaft braucht Markt.“

Fakt > Erneuerbare Energien erhalten weniger staatliche Unterstützung als die konventionellen Energien. De facto werden erneuerbare Energien immer billiger und laufen den konventionellen Energien den Rang auf einem sich grundlegend wandelnden Strommarkt ab. Angesichts dieses Erfolgs wollen nun die großen Konzerne in das Energiewende-Geschäft einsteigen. Ihre Forderung nach mehr Wettbewerb auf dem Energiemarkt dient in Wahrheit dazu, neue Konkurrenz durch Bürgergesellschaften zu verhindern. Dadurch würden wenige große Marktakteure bevorzugt und fossile Energieunternehmen weiter gefördert werden. Einen freien Energiemarkt unter Maßgabe der vereinbarten Klimaziele wird es erst dann geben, wenn man wirtschaftliche Anreize für umweltschonendes Verhalten schafft. Abzuwägen gilt es zudem zwischen den volkswirtschaftlichen Belastungen und den wirtschaftlichen Chancen, die sich aus einer zukunftsgerichteten Klimapolitik ergeben.

 

Postfakt 9: „Die Energiewende führt zur sozialen Verelendung.“

Fakt > Soziale Verelendung hat viele Ursachen – zu denen der Strompreis am allerwenigsten beiträgt. Wer soziale Gerechtigkeit will, muss Armut bekämpfen – und nicht die Energiewende. Denn das größte Risiko für Energiearmut ist: Armut.

 

Postfakt 10: „Mit seinem Alleingang isoliert sich Deutschland und gerät international ins Abseits.“

Fakt > International sind die deutschen Klimapioniere zwar mit gutem Beispiel vorangegangen, auf dem globalen energiepolitischen Feld aber längst nicht mehr allein. Die Energiewende ist weltweit ein Erfolgsmodell und Deutschland das Role Model für viele andere Länder. Trotzdem ist Deutschland schon längst kein Energiewende-Vorreiter mehr. Im Gegenteil: Es sind deutsche Politiker, die in Brüssel die erneuerbaren Energien blockieren und europäische Emissionsgrenzwerte sabotieren. Zum wahren Energiewende-Vorreiter ist inzwischen Skandinavien geworden – mit großem wirtschaftlichem Erfolg.

 

Der WVW wird Sie, liebe Mitglieder, laufend unterrichten, wie in der neuen Konstellation nach den Wahlen unsere Gespräche verlaufen. Wir sehen große Risiken für die Energiewende und für unsere Branche, aber auch Chancen, die politischen Rahmenbedingungen zugunsten der Erneuerbaren Energien neu zu gestalten.

Bild Dr Wolfgang von Geldern

Ihr Dr. Wolfgang von Geldern

-Vorsitzender des Vorstandes-

 

 

 

Inhaltsübersicht

 

1. Gedanken zur Zukunft der Windenergie unter dem Ausschreibungsregime

2. Wann endet die Blockade der Windenergie durch die Deutsche Flugsicherheit ?

3. Unternehmensvorstellung – Bürgerwindparks Familie Ehlen

 

 

 


1. Gedanken zur Zukunft der Windenergie unter dem Ausschreibungsregime

Bei genauerer Betrachtung der Windenergie-Onshore-Ausschreibung, stellt sich die Frage, ob die 37 Zuschläge über mehr als 600 MW an die Bürgerenergiegesellschaften dem Sinn und Zweck des EEG entsprechen oder ob sie nicht sogar kartellrechtswidrig sind. Alle 37 Bürgerenergiegesellschaften „kooperieren“ nämlich mit UKA aus Brandenburg, dem zweitgrößten Entwickler von Onshore-Windparks in Deutschland. Gegen eine Kooperation ist grundsätzlich nichts einzuwenden, es sei denn, sie ist so ausgestaltet, dass dabei Sinn und Zweck der Bürgerenergiegesellschaft verloren gehen. Das könnte der Fall sein, wenn UKA einen bestimmenden Einfluss auf die als Kommanditgesellschaften organisierten Bürgerenergiegesellschaften hätte – etwa über die jeweilige Komplementärgesellschafterin oder die Geschäftsführung. Dabei dürfte auch eine wesentliche Rolle spielen, ob die Bürger als Kommanditisten nur mit ihrer Einlage haften und ob das gesamte übrige Risiko UKA trägt. Sollte es sich um eine solche Konstruktion handeln, entspräche sie nicht dem Sinn und Zweck, den der Gesetzgeber bei der Regelung der Bürgerenergiegesellschaften im EEG verfolgt hat. Es kommt daher entscheidend auf die zu Grunde liegenden Vereinbarungen und Verträge zwischen diesen Bürgerenergiegesellschaften und UKA an. Je nach dem, wie diese Vereinbarungen und Verträge gestaltet sind, könnten die 37 Zuschläge auch kartellrechtlich gegen §§ 1 und 36 GWB verstoßen. Zu prüfen ist, ob die Bürgerenergiegesellschaften aufgrund ihrer Verbindung über UKA als ein den Wettbewerb behindernder unzulässiger Zusammenschluss (gemäß § 36 Abs. 1 GWB) oder sogar als Verbundunternehmen (gemäß § 36 Abs. 2 GWB) angesehen werden müssen, mit der Folge, dass ihre Angebote nicht hätten bezuschlagt werden dürfen.

Außerdem wird in einem solchen Fall nach der ständigen Rechtsprechung des Kartellsenats des OLG Düsseldorf vermutet, dass es bei der Angebotslegung zu gemäß § 1 GWB verbotenen Preisabsprachen gekommen ist und die Unternehmen zunächst das Gegenteil beweisen müssten. Ein Anhaltspunkt für eine solche verbotene Preisabsprache könnte schon darin gesehen werden, dass die Bandbreite ihrer Angebote sehr klein ist. Hier müsste also eine eingehende juristische Prüfung vorgenommen werden. Verwunderlich ist vor diesem Hintergrund nur, dass von den unterlegenen Mitbewerbern bisher allein das Unternehmen WestfalenWIND aus Paderborn die Zuschläge beklagt hat.

Neben kartellrechtlichen Einwänden gegen die Bürgerenergieprojekte gibt es weitere Faktoren, die deren Realisierungswahrscheinlichkeit entscheidend mindern. Einer dieser Faktoren ist die zugrunde liegende Annahme einer absehbaren Technologieentwicklung und höherer Strompreise. Wenn diese Wette nicht aufgeht, wird das Ganze wie ein Kartenhaus zusammenbrechen – mit schlimmen Folgen für die Industrie und die Energiewende. Sollte der erwartete technische Fortschritt so nicht eintreten und sich die Prognosen für den künftigen Strompreis als falsch erweisen (sie waren übrigens in der Vergangenheit stets falsch), dann ließen sich die Projekte mit 4,29 Cent/kWh nicht mehr wirtschaftlich darstellen, so dass dann wahrscheinlich lieber der Verfall der Kaution in Kauf genommen würde. Natürlich sind die Hersteller angesichts dieses Preisdrucks bemüht, entsprechende Technologien zu niedrigen Preisen zu entwickeln. Nur sollen sie für die Zeit nach 2020 für den deutschen Markt so gut wie nichts mehr in den Auftragsbüchern stehen haben, weil alle die tatsächliche Entwicklung zunächst abwarten wollen. Technologische Entwicklung braucht aber Investitionen, die zuvor erwirtschaftet werden müssen. Die schlechten Nachrichten über Werksschließungen und Entlassungen z.B. bei Senvion und Nordex stehen fast jeden Tag in den Zeitungen.

Darüber hinaus haben die bezuschlagten Bürgerenergieprojekte noch keine immissionsschutzrechtliche Genehmigung und werden auch für die nächste Ausschreibungsrunde Ende 2017 keine brauchen. Das birgt weitere Gefahren für deren Realisierung. Denn erfahrungsgemäß bleibt ein nicht unerheblicher Teil der Genehmigungsanträge aus verschiedensten Gründen des Immisionsschutzes oder des Natur- und Landschaftsschutzes erfolglos. Entweder wird erst gar nicht genehmigt oder die Gerichte haben die Genehmigungen wieder auf.

Es besteht also eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass zahlreiche der jetzt bezuschlagten Projekte letztlich nicht genehmigt und deshalb auch nicht realisiert werden können. 

Die Entwicklung der Windenergie in Deutschland ist aber für Wirtschaft, Arbeitsplätze und die Energiewende zu wertvoll, um derartige nicht kalkulierbare Risiken einzugehen.

Solche Risiken scheint die jetzige Bundesregierung jedoch in Kauf zu nehmen, die im Wesentlichen die Kosten in den Fokus ihrer Regierungsarbeit gerückt hat. Dagegen regt sich – auch zur Überraschung des WVW – kaum noch öffentlich wahrnehmbarer Widerstand.

Die Bundestagswahl am 24.09.2017 lässt nicht erwarten, dass sich an der skizzierten Entwicklung etwas ändern wird.

Nach den aktuellen Umfrageergebnissen ist eine Koalition zwischen CDU/CSU und FDP nicht mehr ausgeschlossen. Das Wahlprogramm der FDP birgt aber für die Windenergie neuen Sprengstoff. Sie hat in ihrem über 100-seitigen Wahlprogramm ganze 1,5 Seiten (S. 86/87) für Energie und Klima übrig. Dort setzt sie allein auf eine gesamteuropäische Reform des Emissionshandels, die nach Auffassung von AGORA bis 2030 völlig illusorisch ist und fordert bundesweit Abstände zu Windenergieanlagen von 10 H = 2000 Meter. Nach einer Studie des UBA von 2014 würde das alle potenziellen Ausbaustandorte für Windenergie beseitigen. Dann würde die Windenergie nur noch abgewickelt. Und das scheint jetzt auch vom BMUB vorbereitet zu werden. Die Bundesumweltministerin hat gerade erst zusammen mit BfN ein Gutachten präsentiert, wonach auf den weiteren Ausbau der Windenergie nahezu verzichtet werden könne und die Klimaschutzziele vor allem mit Photovoltaik zu erreichen seien. Das Gutachten räumt am Ende ein, keine wirtschaftlichen Betrachtungen angestellt zu haben. Das wäre aber dringend nötig gewesen. Aus dem Projekt GEOWISOL ist nämlich längst die Erkenntnis erwachsen, dass der optimale Mix bei 25 % Solar zu 75 % Wind liegt. Dann läge der dann noch nötige Stromanteil aus Import oder externer Erzeugung nur bei ca. 28 %. Würde man allein auf Solarenergie setzen, läge dieser Anteil bei 58 %!

Die Windenergie geht also stürmischen Zeiten entgegen - hoffen wir, dass sie standhält.

 

Udo Paschedag


2. Wann endet die Blockade der Windenergie durch die Deutsche Flugsicherheit?

Es ist eine Binsenweisheit: Nur genehmigte Windparks können realisiert werden. Bei allen Diskussionen um die Projektmengen, die in die Ausschreibungen kommen, ist eine Zahl nur wenig beachtet worden: Gemäß BNetzA waren 1.225 MW durch eine erteilte Genehmigung für die Teilnahme an der Ausschreibung am 01.08.2017 präqualifiziert. Angesichts des Anteils so genannter „Wechsler“ mit einer Genehmigung aus dem Jahr 2016 (475 MW) bedeutet dies ein erschreckend kleines Projektvolumen in der Größenordnung von nur 750 MW, für das im ersten Halbjahr 2017 eine Genehmigung erteilt wurde. Hochgerechnet würde das ein Genehmigungsvolumen von 1.500 MW im Jahr 2017 ergeben, während in den vergangenen Jahren regelmäßig Genehmigungen für Projekte mit mehr als 3.000 bis 4.000 MW erteilt worden sind.

Neben vielen anderen Restriktionen sind für diesen Rückgang auch die Ablehnungen durch die Deutsche Flugsicherheit (DFS) bzw. das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) verantwortlich, durch die bundesweit Projekte im Umfang von weit mehr als 3.000 MW blockiert werden. Eine Auflösung des Widerspruchs zwischen Windenergie und Flugsicherheit würde dem Ausbau der Windenergie wieder mehr Schwung geben und gleichzeitig das Volumen präqualifizierter Projekte erhöhen. Ein wichtiger Aspekt für zukünftige funktionierende Ausschreibungen mit genehmigten Projekten!

Fachlich ist das Thema nach Einschätzung unabhängiger Experten im Grunde geklärt: Außerhalb eines Abstandes von mehr als 3 km zwischen der Flugsicherungseinrichtung und Windenergieanlagen sind Störungen nicht mehr relevant bzw. mit den Instrumenten im Flugzeug nicht mehr erkennbar. Spätestens ab 5 km fehlt der Nachweis der Störung vollkommen. Dies ist durch Gutachten und Messungen bekannt, sorgt aber leider nicht für eine Änderung der Ablehnungspraxis von DFS/BAF. Grund ist eine von Experten als nicht nachvollziehbar bezeichnete Berechnungsformel angeblicher Störungen und ein aus dem Luftverkehrsgesetz abgeleiteter Ermessensspielraum der DFS.

So bleibt die DFS bei ihrer Praxis, nahezu sämtliche Windparks innerhalb eines 15 km Radius um die Funkfeuer abzulehnen, und dies obwohl die internationale Richtlinie der ICAO (International Civil Aviation Organization, EUR DOC 015 - Europäisches Anleitungsmaterial zum Umgang mit Anlagenschutzbereichen der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation) die Schutzzonen seit Ende 2015 wieder auf einen Radius von 10 km reduziert hat.

Wie sieht es aktuell mit diesem Thema aus, gibt es Hoffnung für die blockierten Windparks?

Der Ermessensspielraum der DFS wurde im April 2016 vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig festgestellt. Danach setzt ein Bauverbot nach § 18a Abs. 1 LuftVG keine Gewissheit voraus, dass Flugsicherungseinrichtungen gestört werden; vielmehr reicht die Möglichkeit einer Störung aus.

Diese liegt vor, wenn die entsprechenden Annahmen in der gutachterlichen Stellungnahme der Flugsicherungsorganisation und der darauf gestützten Entscheidung des Bundesaufsichtsamts für Flugsicherung wissenschaftlichen Ansprüchen genügen und durch wissenschaftliche Gegenpositionen in ihren Grundannahmen, ihrer Methodik und ihren Schlussfolgerungen jedenfalls nicht substanziell in Frage gestellt werden.

Gutachten und Messungen konnten den Ermessensspielraum der DFS bisher nicht erschüttern. Doch das könnte sich ändern: Schon seit Jahren arbeitet die Physikalisch-technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig am Forschungsvorhaben WERAN zur Untersuchung der Wechselwirkung zwischen Windenergieanlagen und Radar- bzw. Navigationsanlagen. Erste Zwischenergebnisse haben gezeigt, dass der Störeinfluss von Windenergieanlagen durch die Berechnungsmethode der DFS systematisch überschätzt wird. Dies gilt insbesondere, wenn bereits eine „Vorbelastung“ durch bestehende Windenergieanlagen vorhanden ist. Die Ergebnisse dieser Studie der PTB könnten die Methodik der DFS substanziell in Frage stellen!

Doch seit Herbst 2016 zieht sich die Veröffentlichung der Studie in die Länge. Zu hören ist von angeblichen Abstimmungserfordernissen zwischen Gutachter und Auftraggeber. Erleben wir hier eine neue Runde der Verhinderung von Windenergieprojekten, obwohl wissenschaftliche Untersuchungen und internationale Erfahrungen zeigen, dass die Flugsicherheit nicht durch die geplanten Windparks beeinträchtigt wird? Oder werden die Ergebnisse der Studie im angekündigten Workshop der PTB Anfang Dezember in die Öffentlichkeit gebracht?

Workshop PTB

Wann endlich nehmen sich Politik und Bundesverkehrsministerium des Themas an und regeln es im Sinne der Vereinbarkeit von Windenergieausbau und Flugsicherheit?

 

Lothar Schulze



3. Unternehmensvorstellung

Bürgerwindparks Familie Ehlen

 

Für Landwirtschaftsmeister Helmut Ehlen aus Ahrensmoor im Landkreis Stade begann mit dem Auflegen des 1.000MW Programms in Niedersachsen im Jahre 1995 die Berufserweiterung. Neben Landwirt war Helmut jetzt auch Energiewirt. Mit dem unternehmerischen Gespür und Mut wurde gemeinsam mit Landwirten und Nachbarn die AWOMO (Mitgliedsnr. 002 beim WVW) der erste Bürgerwindpark zwischen den Ortschaften Ahrenswohlde und Ahrensmoor aus der Taufe gehoben. 1999 gingen mit der fachlichen Unterstützung von Uwe Thomas Carstensen 20 Enercon E40 mit je 600kW ans Netz. In den Folgejahren wurde der Park auf Wohnster Seite um 10 weitere Enercon E66 mit 1,8MW erweitert. Allerdings hatten alle Anlagen aufgrund politscher Restriktionen „nur“ 65m Nabenhöhe. 2009 änderte sich dies mit der Inbetriebnahme von 3 weiteren Enercon E82 2MW mit diesmal 108m Nabenhöhe. Die deutliche Leistungssteigerung ermutigte Helmut und den mittlerweile ins Bürgerwindparkgeschäft eingestiegenen Dipl. Wirtschaftsing. (FH) Jan Ehlen den „Altpark“ bereits nach einem Jahrzehnt wieder zu repowern. Es wurde 2011/12 in Zusammenarbeit mit Deutschen Windtechnik RePowering aus Bremen 30 Altanlagen veräußert, abgebaut. Ersetzt haben wir die Altanlagen durch 20 Enercon E82 mit 2,3MW und 108m Nabenhöhe. Tragische Symbolkraft erfuhren die Satzungsbeschlüsse für die B-Pläne der betroffenen Gemeinden mit ihrem Datum. 14. und 16. März 2011. Drei Tage nach der Havarie in Fukushima…

In den Jahren zwischen 2000 und 2012 wurde an drei weiteren Orten in Niedersachen und Sachsen-Anhalt Bürgerwindparks projektiert, realisiert und stehen in der Betriebsführung der Familie Ehlen.

Das letzte Projekt ist zurzeit das nahezu fertig gestellte RePowering des Windpark Ahlerstedt bei dem 14 Enercon E115 3MW 149m, die insgesamt 18 Enercon E66 1,8MW 65m Nabenhöhe ersetzen.

Seit 1995 wurden 72 Anlagen und 2 eigene Umspannwerke mit einem Investitionsvolumen von 170 Mio. EURO realisiert. Die Parks sind ausschließlich im Eigentum von lokalen Mitbürgern und Landwirten.

Besonderheit der beiden RePowering Projekte ist, dass bei der ersten Projektphase Ende der 90er noch große Widerstände herrschten. Eine Dekade später bei den RePoweringprojekten konnten teilweise sogar die Erörterungstermine mangels Eingaben zum BImSCh Verfahren abgesagt werden. Neben frühzeitiger, klarer und offener Information der Bürger vor den Verfahren, stellen die Gewöhnung an Windenergie als Teil unserer Gesellschaft, sichtbar gestiegene Steuereinnahmen (Gewerbe- und Einkommensteuer !) in den Gemeinden und die Tatsache, dass viele Familien als Eigentümer und/oder Grundstückseigentümer dabei sind, den Kern der positiven Akzeptanzentwicklung dar. Das EEG mit dem Einspeisevorrang war und ist dabei eine/die Säule für die Umsetzung als KMU und unter Beteiligung der lokalen Bürger und Landwirte.

 


WVW Wirtschaftsverband Windkraftwerke e.V.

 

Geschäftsstelle Cuxhaven
Baudirektor-Hahn-Str. 20
D-27472 Cuxhaven

Telefon 04721-6677-243 
Telefax 04721-6677-251 
E-Mail info@wvwindkraft.de 

 

Vertretungsberechtigt ist der Vorstand
Der Wirtschaftsverband Windkraftwerke e.V. ist eingetragen im Vereinsregister
beim Amtsgericht Hannover unter der Nummer VR 7163.

Verantwortlich für den Inhalt (ViSdP):
Text: Dr. Wolfgang von Geldern

 

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