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Liebe Leser*innen,
Die Auseinandersetzung um die politische Rolle der Zivilgesellschaft hat in den vergangenen Monaten an Schärfe gewonnen. Es wird versucht, insbesondere Organisationen, die sich für Demokratie, Menschenrechte oder Umwelt einsetzen, pauschal zu diskreditieren. Der Vorwurf lautet: mangelnde Neutralität, verdeckte ökonomische Interessen oder übermäßiger Einfluss ohne demokratische Legitimation. Was auf den ersten Blick wie sachliche Kritik klingt, erweist sich bei näherem Hinsehen als gezielte Strategie der Delegitimierung – als Anti-NGO-Narrativ.
Diese Attacken sind nicht zufällig. Sie bedienen sich bewährter Muster: Pauschalisierung, polemische Zuspitzung, selektive Empörung. Zivilgesellschaftliche Organisationen werden als „verlängerter Arm linker Politik“ etikettiert, während konservative oder wirtschaftsnahe Verbände diskursiv unsichtbar bleiben. Damit entsteht ein Zerrbild, das mit empirischen Fakten wenig zu tun hat: Der überwiegende Teil zivilgesellschaftlicher Organisationen in Deutschland – im Jahr 2025 mehr als 662.000 – ist lokal, ehrenamtlich und unpolitisch tätig. Nur ein kleiner Teil versteht sich explizit als Akteur politischer Willensbildung.
Warum also diese Debatte? Weil Zivilgesellschaft unbequem ist: Sie artikuliert Minderheiteninteressen, stellt Macht infrage und macht auf Missstände aufmerksam. In einer Demokratie ist genau das ihr Auftrag. Wer Zivilgesellschaft pauschal unter Verdacht stellt, schwächt nicht nur einzelne Organisationen, sondern die integrative Funktion, die sie für den Zusammenhalt einer offenen Gesellschaft erfüllt.
Unsere Antwort auf das Anti-NGO-Narrativ muss deshalb zweigleisig ausfallen: einerseits faktenbasiert und differenziert, andererseits selbstbewusst in der Verteidigung der demokratischen Funktion zivilgesellschaftlichen Engagements. Zivilgesellschaft ist kein Problemfall, sondern ein unverzichtbarer Teil der Lösung – gerade in Zeiten wachsender Polarisierung.
Deswegen stellen wir in unserer aktuellen Publikation Das Anti-NGO-Narrativ den diffamierenden Zuschreibungen faktenbasierte Analysen gegenüber und zeigen, wie diese Narrative funktionieren. Des Weiteren hat Rupert Graf Strachwitz zur Anhörung des Haushalts- und Finanzausschusses des Landtags Nordrhein-Westfalen eine Stellungnahme veröffentlicht, die einen weiteren Beitrag zur Versachlichung der Debatte darstellt.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen.
Herzliche Grüße
Dr. Siri Hummel (Direktorin des Maecenata Instituts)
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